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Home  Seminare  Porträt 10.05.2001
 
 
Der Versuch meine Person zu beschreiben...

Ein "Mind-Jogger" auf Wissenssuche

Autorin: Christine Sylvester

Ein Mann, viele Interessen. So beschreibt Thorsten Krüger sich selbst.

Und diese Beschreibung ist glaubhaft, beobachtet man den gelernten Elektriker, studierten Elektrotechniker, praktizierenden EDV- und Netzwerk-Dozenten und engagierten Vater.

Was der Bandbreite seiner Interessen sehr entgegen kommt, ist sein akutes Suchtverhalten in puncto World Wide Web (WWW). Wann immer sich die Gelegenheit bietet, hängt Krüger im Netz. Chronisch durchforstet er virtuelle Welten nach verwertbaren Informationen und wird dabei nur allzu oft fündig. "Ich surfe nicht, ich sauge", bekennt der 34-Jährige. Er kann es "einfach nicht ignorieren, stets einen derart riesigen Wissenspool zur Verfügung zu haben". Deshalb präsentiert er auch gerne seine eigenen Machwerke im WWW und erläutert sogleich das Warum, Wieso, Weshalb seiner Vorgehensweisen.

Erklären kann er, das weiß Krüger selbst, und dass wird auch jedem Gesprächspartner sogleich klar. Was sofort überspringt, ist dieser Funke Begeisterung, mit dem er an jede seiner - oft selbst gestellten - Aufgaben geht. Trotzdem ist der gebürtige Bochumer ein kritischer Zeitgenosse. Nicht immer genießt er das Surfen im Netz des großen Gebrabbels. Manchmal stören ihn die vielen kleinen und oft unzuverlässigen Informationshappen, die rechts und links von allem liegen. Das WWW ist eine Gratwanderung zwischen Allgemeinem und Speziellem.

Als Experten sieht Krüger sich daher nicht: "Wer sich als Internet-Experte bezeichnet, hat noch nicht einmal das Medium begriffen, von dem er da redet." Kurzzeitig verdüstert sich sein wacher, direkter Blick. "Das WWW hat mein Leseverhalten negativ beeinflusst", gibt er zu. "Ich lese alles nur noch hypertextuell." So kann ein Buch zur Disziplinübung werden. "Um ein Buch von vorne bis hinten zu lesen, muss ich mich regelrecht zwingen." Er lacht beim Seitenblick auf seine Bücherwände und fügt hinzu: "Die meisten davon sind Handbücher. Da muss man nur die entsprechenden Kapitel lesen..."

Dennoch schätzt Krüger gute Prosa, weil sie ihm zeigt, wie andere Menschen die Welt sehen. Warum sonst sollte man schließlich überhaupt etwas wissen wollen...?! Krüger jedenfalls sucht immer nach Erklärungen. Auch und vor allem nach philosophischen. Wenn auch die akademische Philosophie nicht das ist, was ihn interessiert.

Das nimmt Wunder, denn bei der Betrachtung seines Schreibtisches und dessen direkter Umgebung liegt die Chaostheorie sehr nahe. Ordnung ist nicht sein Ding. Doch nur selten ärgert er sich selbst über die Papierberge, Bücherstapel und Kram-Ecken. Und das wirklich nur dann, wenn er etwas vermeintlich Wichtiges sucht, wie zum Beispiel die Unterlagen für seine Steuerklärung. "Eine entsetzlich lästige Pflicht", schimpft er grinsend, obwohl ihm doch sonst Zahlen und Logik quasi im Blut liegen. Nur eben nicht das Sortieren, es sei denn, es handelt sich um Bits und Bytes.

Als typisch "männlich" sieht der unverheiratete Familienvater sich nicht. Nicht etwa, weil er wüsste, was das ist, sondern weil er genau beobachtet. Nichts entgeht seiner Wahrnehmung, schon gar nicht sogenannte Männerrituale. Stammtische, Skatrunden und Fußballstadien sind nicht seine Welt.

Sport? Das ist für Krüger "Mind-Jogging". Und das kann man praktischer Weise immer und überall betreiben, ohne Geld dafür auszugeben oder seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Seine Gesundheit ruiniert Krüger trotzdem gerne, jedoch anderweitig, arbeitend am heimischen Schreibtisch, wo er sich genussvoll mit Nikotinwolken umgibt.

Wenn er gerade nicht doziert oder tüftelt oder mit Sohnemann Leander durch die grüne Umgebung von Dresden zieht, stöbert Krüger allzu gerne auf Flohmärkten oder in Gebrauchwaren-Läden herum. "Meine Möbel sind vom Flohmarkt oder vom Sperrmüll", erklärt er und Werkzeuge, deren Benennung nur Experten vorbehalten ist, deuten darauf hin, dass er auch häufiger selbst etwas baut. Ganz offensichtlich zumindest rund einen Kilometer Bücherregal, der jedoch nicht mehr ausreicht, um all die Handbücher und Flohmarkt-Errungenschaften zu beherbergen.

Nachschlagewerke aller Themengebiete und Epochen haben es ihm angetan. Dazu dürfen dann auch ruhig ein paar Kochbücher oder alte Schulbücher gehören. Denn Krüger will gewappnet sein für die Fragen seines Sohnes. "Vierjährige wollen nun mal wissen, wie der Haifisch pullert oder wann der Mond schläft", sagt er lächelnd.

Unsinnige Fragen gibt es für den Technik-Experten nicht. Auch nicht in seinen Seminaren. Er ist nicht leicht aus der Ruhe zu bringen, "eigentlich erst, wenn jemand zum fünften Mal dasselbe fragt und ich genau weiß, dass er nicht richtig zugehört hat", sagt er. Oder, wenn er auf Menschen trifft, die gar nichts wissen wollen, die "Dummheit zum Prinzip erhoben haben". Dann so Krüger, würde selbst er schon mal laut. Und das Blitzen in seinen Augen verrät, dass man es auf manche Differenzen besser nicht ankommen lassen sollte... "

Ungerechtigkeiten und Gewalt bringen mich wirklich auf die Palme!", spricht´s und schüttelt mit unwirschem Gesichtsausdruck die ein oder andere Erinnerung ab. Mit seinem Leben scheint Krüger jedenfalls recht zufrieden zu sein, zumindest, solange alles in stetiger Bewegung ist, besonders im Kopf.

"Ich hüpfe natürlich zwischen einer Vielzahl von Themen", erklärt er in dem festen Bewusstsein, dass es anders gar nicht geht. Man könne zwar nicht alles wissen, aber das sei noch lange kein Grund, es nicht wenigstens zu versuchen.

Und da ist sie, die Sekunde leichter Irritation. Denn ein bisschen muss man Krüger schon kennen, will man seinen Humor verstehen. Er ist kein Mensch, der sich bei Witzen brüllend auf die Schenkel klopft. Er ist ein Mensch der leisen Ironie, die in der Regel ihn selbst betrifft.

"Wie käme ich dazu, anderen Menschen zu nahe zu treten? - Ich frage lieber vorher nach."

 
     
 
 
10.05.2001 Porträt  Seminare  Home
 

Thorsten Krueger
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